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Ein Blick zurück und nach vorne

75 Jahre Demokratie in Ulm

historisches Bild einer Gemeinderatssitzung

Am 26. Mai 1946 fanden in Ulm, das zu den größeren Städten in der amerikanischen Zone gehörte, die ersten freien Gemeinderatswahlen nach Nationalsozialismus und Krieg statt, und am 6. Juli 1946 wurden die feierliche Einsetzung und die Konstituierung des neugewählten Ulmer Gemeinderates vollzogen. 13 Jahre zuvor war die kommunale Selbstverwaltung durch die nationalsozialistischen Machthaber unmittelbar nach deren Machtübernahme vernichtet worden, wobei der Gemeinderat der Weimarer Republik von der NSDAP zur Selbstauflösung genötigt wurde. Das nationalsozialistische "Führerprinzip" ersetzte freie Wahlen und repräsentative Demokratie. Die Abschaffung der Demokratie endete auch in Ulm in Krieg und Zerstörung.

13 Jahre später wollten die Ulmerinnen und Ulmer den Neuanfang. Die überwältigende Mehrheit von ihnen gab bei der ersten Gemeinderatswahl ihre Stimme ab. Die damalige Wahlbeteiligung von 74,8 Prozent wurde bis zum heutigen Tag nicht wieder erreicht. Dies darf bei allem Vorbehalt als ein beeindruckendes Zeugnis der Zustimmung der Ulmer Bevölkerung zum neuen politischen System gewertet werden. Deutschland gilt heute als eine der stabilsten Demokratien Europas. Von 1946 zu den 1968ern bis hin ins wiedervereinigten Deutschland begann ein Wandlungsprozess, den der Heidelberg Geschichtsprofessor Edgar Wolfrum als "Geglückte Demokratie" bezeichnete. Hier spielte die kommunale Selbstverwaltung als "Schule der Demokratie" eine maßgebliche Rolle.

Aus diesem Grund wollen wir 75 Jahre später feiern und uns selbst vergewissern, warum es sich 2021 lohnt für unsere Demokratie einzustehen. Feiern, weil die Demokratie uns Freiheiten, großen Wohlstand und ein gutes Leben in Ulm, Deutschland und Europa ermöglicht. Uns selbst vergewissern, weil die Werte, die wir seit 75 Jahre leben, zunehmend aus verschiedensten Richtungen in Bedrängnis geraten: Rechtsextremer Terror, Reichsflaggen vor dem Reichstag, internationale antidemokratische Tendenzen und soziale Spaltung.

"Zuhören. Mitreden. Gestalten. 75 Jahre Demokratie in Ulm" steht daher für Engagement, demokratisches Bewusstsein, Vergewisserung im Jetzt und Gestern für Morgen, eine offene, rezeptive Gesellschaft, Verankerung der Werte im Grundgesetz der Bundesrepublik und für Meinungsfreiheit bei gesellschaftlicher Verantwortung. Es weckt Interesse für die einzelnen Programmpunkte und stößt einen Diskurs an, was Demokratie für uns heute bedeutet und wie wir uns engagieren und Zivilcourage leben können.